Draußen mehr lernen! Warum Outdoor-Workshops effektiver sind

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Letzte Woche arbeitete ich mit einer kleinen Seminargruppe in der Textwerkstatt am Chiemsee zusammen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit Superlativen  zurückhaltend bin, wenn ich meine Arbeit beschreibe. Doch hier muss ich einfach sagen: In den letzten 14 Jahren Seminarpraxis hatte ich noch nie das Gefühl, dass die Teilnehmer und ich so viel gelernt haben und wir gleichzeitig so viel Spaß dabei hatten. Ich überlege gerade ernsthaft, ob ich mich jemals wieder einem “normalen” Seminarablauf in einem öden Tagungshotel hingeben soll.

Tagungsräume gehören verboten!

Ich verbringe viele Tage des Jahres in Workshops. Was ich dabei gar nicht leiden kann:

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  • Das Käfig-Gefühl in Räumen, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen
  • Lautstarkes und kühlschrankkaltes Gebläse der Klimaanlage (zu jeder Jahreszeit)
  • Muffelige Teppichböden mit dem Muster von Omas Kittelschürze
  • Langweilige Pausensnacks, die in rauen Mengen aufgetischt werden (und deren Reste dann im Müll landen)
  • Laut brummende Beamer mit schwachem oder zu kleinem Bild
  • Lange Schlangen am Mittagsbuffet oder (zu viel oder zu wenig) Einheitskost auf dem Teller
  • Dünne Trennwände, die jedes Wort aus dem Seminar nebenan durchlassen

All das führt dazu, dass Teilnehmer schlechte Laune bekommen und sich außerdem nicht gut konzentrieren können. Das dauerhafte Herumsitzen lähmt die Muskulatur und verhindert eine gesunde Durchblutung. Wer soll da denken?!

 

3 geniale Tage

Wollen Sie genauer wissen, wie wir die 3 Tage während der Textwerkstatt verbracht haben?IMG_7223

Tag 1: Am See

Um 11:00 Uhr war Treffpunkt im Gut Ising am Chiemsee. Nach einer kurzen Begrüßung und Programmbesprechung im idyllischen Innenhof verteilten wir Notizbücher und Tagungsunterlagen. Für jeden Tag gab es nur ein kleines Päckchen Papier im Schnellhefter, damit niemand zuviel herumschleppen musste.

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Alle hatten einen Rucksack dabei und waren auf ein buntes Programm gefasst. Die übliche Vorstellrunde und Begrüßung wurde auf dem Spaziergang nach Seebruck gleich in Form einer ersten Übungsaufgabe erledigt: Die Teilnehmer sollten ihre Gesprächspartner in einem kurzen Mitarbeiterporträt im Intranet vorstellen. Das Notizbuch immer schreibbereit in der Hand konnten wir dennoch die Berg- und Seekulisse von unserem schattigen Waldweg aus genießen.

 

 

 

 

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Mit dem Schiff ging es weiter zur Fraueninsel, wo wir unter Kastanienbäumen eine intensive Lerneinheit zu diesen Themen bearbeiteten:

  • Das Wichtigste zuerst
  • Kurz und prägnant schreiben

 

Vor dem Workshop hatte ich bereits Textbeispiele der Teilnehmer erhalten, die wir nun themenbezogen bearbeiten konnten. Theorie besprechen, eigene Texte formulieren, Ergebnisse diskutieren und verbessern waren nun drei Tage lang immer abwechselnd unsere Arbeitsschritte.

 

IMG_7305Im Gut Ising folgten wir neben dem hauseigenen Golfplatz dem Motto “Grill & Chill”. So fühlten sich unsere weiteren Diskussionen über “Kommunikationsstrategien im Intranet” oder “Kennzahlen für die Evaluierung der Unternehmenskommunikation” so an, als wäre es unser schönstes Hobby. Spätestens als uns der Chef des Gastronomiebereichs eine eigene Obst-Etagere vom Buffet an unseren Tisch brachte, fühlten wir uns wie im bayerischen Himmel.

 

Tag 2: Auf dem Berg

IMG_7303Schon am frühen Morgen mussten sich die Teilnehmerinnen von Omelettes, frisch gepressten Säften und Müslivariationen losreißen: Um 9:00 Uhr war Treffpunkt an der Kampenwand-Seilbahn. Da es leider anfing zu regnen, ging es mit der Gondel nach oben.

In der gemütlichen Sonnenalm machte uns der kurze Wolkenbruch nichts aus und wir konnten uns hervorragend auf unsere heutigen Themen konzentieren:

  • Adjektive bewusst einsetzen
  • Kriterien für verständliche Texte
  • Wirksame Appelle formulieren

IMG_7254Es ist schon erschütternd, was einem alles auffällt, wenn man sämtliche Adjektive eines Unternehmenstexts einmal  mit Farbstift markiert. “Optimalste” Bedingungen, “professionelle” Arbeit oder “dreiköpfige” Familienväter rufen da laut nach Korrektur. Viele Adjektive werden floskelhaft und ohne Nachdenken eingesetzt. Nach ausführlichem Beobachten können wir jedenfalls nicht nachvollziehen, warum es “dumme Kuh” heißt.

 

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Glücklicherweise verziehen sich die Wolken auch gleich wieder und unsere Wanderschuhe bekommen ein wenig Auslauf.

 

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Bei dieser Kulisse kann gar keine Schreibblockade aufkommen!

 

 

 

 

Beim Abstieg freuen wir uns über diesen Ausblick auf das Schloss Hohenaschau.

Später — auf der Terrasse des Isinger “Il Cavallo” — sind wir alle ein wenig traurig, dass dies schon “unser letzter Abend” gewesen sein soll!

 

 

 

Tag 3: Auf der Wiese

IMG_7279Wie bauen wir einen gelungenen Text auf? Wie können wir den Leser am besten erreichen? Heute beschäftigen wir uns intensiv mit diesen Themen:

  • Texte perfekt strukturieren
  • Beispiele und Bilder passend einsetzen
  • Zielgruppengerecht schreiben

Unser Bewegungsradius reicht heute nur noch von einer Terrasse des Gutsgeländes zur nächsten. Doch auch hier profitieren wir davon, dass wir immer wieder unsere Perspektive wechseln können.

Die ersten Reservierungen für nächsten Sommer habe ich bereits entgegen genommen!

 

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Neue Termine für inspirierendes Arbeiten im Gut Ising:

 

1 Kommentar
  1. 08.01.2016

    Es waren 3 wunderbare und vor allem auch lehrreiche Tage!
    Bei Susanne Westphal durfte ich ein ganz neues “Format” eines Seminares kennen lernen und ich bin der Überzeugung, dass dies die Zukunft ist! Fernab von muffigen Seminarräumen lässt es sich wirklich viel effizienter lernen und bestimmt auch lehren ;-)
    Absolut empfehlenswert!


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